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Bewerbung

Der Lebenslauf als Landkarte: Orte, Zeiten, Aufgaben

Zwei Spalten eines Lebenslaufs werden besonders genau angesehen: die Zeiträume und die Orte. Was das für den Kopfbereich, die Stationen und für Zeiten ohne Eintrag bedeutet.

6 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Ein Lebenslauf wird nicht gelesen, er wird abgeglichen. Wer ihn öffnet, sucht in wenigen Sekunden nach drei Dingen: nach einer passenden Tätigkeit, nach lückenlosen Zeiträumen und – fast immer unbewusst – nach Orten. Die ersten beiden erwartet jeder. Die dritte Spalte wird unterschätzt, obwohl sie bei jeder Bewerbung, die eine Stadtgrenze überquert, mitentscheidet.

Dieser Text geht das Dokument in der Reihenfolge durch, in der es gelesen wird: von oben nach unten und von der Frage "wer und wo" zur Frage "was genau".

Der Kopfbereich und die Anschrift

Oben stehen Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse aus Vor- und Nachname und – üblicherweise – die Anschrift. Ob die vollständige Adresse nötig ist, wird gelegentlich bestritten; Ort und Postleitzahl sollten aber stehen, weil ihr Fehlen in der Praxis als Verbergen gelesen wird.

Interessanter ist der Fall, in dem der Wohnort nicht zur Stelle passt. Dafür gibt es eine Zeile, die kaum jemand nutzt und die viel klärt: eine Angabe zum geplanten Ortswechsel, direkt unter der Anschrift. "Umzug nach Hannover zum 1. April geplant" beantwortet die Frage, bevor sie entsteht. Steht der Umzug schon fest, nennen Sie die neue Anschrift zuerst und die alte in Klammern dahinter.

Was hier nicht hingehört: Familienstand, Konfession, Angaben zu Kindern und der Gesundheitszustand. Keine dieser Angaben trägt zur Einschätzung bei, jede kann benachteiligen.

Die Ortsspalte in den Stationen

Zu jeder Station gehören vier Angaben: Zeitraum in Monat und Jahr, Bezeichnung der Tätigkeit, Arbeitgeber und Ort. Der Ort wird am häufigsten weggelassen und ist der aufschlussreichste Teil.

Er leistet zweierlei. Erstens ordnet er den Arbeitgeber ein: Ein Unternehmen mit vierzig Beschäftigten in Osnabrück ist außerhalb der Region niemandem ein Begriff, und der Ortsname ist der erste Anhaltspunkt dafür, in welchem Markt Sie gearbeitet haben. Zweitens erzählt die Abfolge der Orte eine eigene Geschichte.

Diese Geschichte lässt sich lenken. Mehrere Stationen in verschiedenen Städten wirken als Beweglichkeit, wenn jeder Wechsel einen erkennbaren Grund hat – ein größerer Betrieb, eine neue Aufgabe, ein Studienort. Dieselbe Abfolge wirkt unruhig, wenn die Gründe fehlen. Ein Halbsatz je Wechsel genügt, und er gehört in die Aufgabenzeile, nicht in eine Fußnote.

Dasselbe gilt für das Gegenteil: Wer zwanzig Jahre am selben Ort gearbeitet hat und sich nun nach Berlin bewirbt, sollte irgendwo im Dokument erkennbar machen, dass der Ortswechsel gewollt ist – sonst übernimmt die Leserschaft die Vermutung, er sei es nicht.

Antichronologisch, und die Blöcke nach Bedeutung

Innerhalb jedes Blocks beginnt die Liste mit der jüngsten Station und endet bei der ältesten. Der Grund ist banal: Die letzte Tätigkeit trägt am meisten zur Einschätzung bei, und eine Ordnung, die sie nach unten schiebt, verlangt eine vollständige Lektüre für eine Auskunft, die in die erste Zeile gehört.

Die Reihenfolge der Blöcke selbst richtet sich nach der Stelle. Wer Berufserfahrung hat, stellt sie vor die Ausbildung. Wer gerade fertig geworden ist, macht es umgekehrt. Wer das Feld wechselt, sortiert nach Nähe zum Ziel und nicht nach Kalender – dazu mehr in Quereinstieg.

Aufgaben mit Größenordnung

Unter jeder Station stehen zwei bis vier Zeilen. Der häufigste Fehler darin ist die Zuständigkeit ohne Maß: "verantwortlich für die Disposition" kann einen Lieferwagen bedeuten oder eine Flotte.

Nennen Sie deshalb, was sich beziffern lässt: Zahl der betreuten Einheiten, Teamgröße, Budget, Schichtmodell, Zahl der Standorte. Wo Zahlen fehlen, hilft die Umgebung der Aufgabe: mit welchen Abteilungen oder Betrieben Sie zu tun hatten und worüber Sie ohne Rückfrage entscheiden durften. Erfundene Zahlen sind keine Option; sie halten der ersten Nachfrage im Gespräch nicht stand.

Und sortieren Sie um. Derselbe Lebenslauf sieht anders aus, je nachdem, welche Tätigkeit in der ersten Zeile der jeweiligen Station steht. Das ist die Anpassung, die wenig Zeit kostet und am meisten bringt.

Zeiten ohne Eintrag

Eine Lücke ist nicht eine Zeit ohne Beschäftigung, sondern eine Zeit ohne Eintrag. Der Unterschied ist der ganze Punkt: In den allermeisten Fällen ist etwas geschehen, es steht nur nirgends.

Tragen Sie also ein, was war – Elternzeit, Pflege von Angehörigen, Umschulung, Weiterbildung, Arbeitsuche, Selbstständigkeit, ein Auslandsaufenthalt, eine gesundheitsbedingte Unterbrechung. Zwei Handgriffe helfen zusätzlich:

  • Monat und Jahr statt Tagesdaten. Wer Ende März aufhört und Anfang Mai anfängt, erzeugt in einer Monatsdarstellung keine sichtbare Lücke.
  • Benennen, nicht begründen. Ein Halbsatz reicht. Eine ausführliche Rechtfertigung macht aus einer Nebensache das Thema des Gesprächs.

Ein eigener Fall sind ortsbedingte Unterbrechungen. Ein Umzug in eine andere Region, etwa aus beruflichen Gründen der Partnerin oder des Partners, zieht fast immer eine Zeit der Neuorientierung nach sich. Geschrieben als "Umzug nach Leipzig, berufliche Neuorientierung" ist das eine Erklärung; ungeschrieben ist es eine offene Frage.

Falsche Angaben sind dagegen ein echtes Risiko: Sie können eine Kündigung oder die Anfechtung des Arbeitsvertrags nach sich ziehen. Eine benannte Lücke kann das nicht.

Kenntnisse, Sprachen, Führerschein

Bei Sprachen ist der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (A1 bis C2) genauer als jede Selbsteinschätzung und außerdem belegbar. Abgelegte Prüfungen gehören dazu.

Bei fachlichen Kenntnissen sagen Balken und Sterne nichts. Vier von fünf Punkten lassen offen, ob Sie eine Anwendung täglich benutzen, sie einrichten oder sie einmal gesehen haben – und genau das ist die Frage. Schreiben Sie deshalb hin, was Sie damit getan haben, oder trennen Sie schlicht zwischen täglichem Einsatz und Grundkenntnissen.

Der Führerschein wird oft vergessen und ist in Flächenregionen und im Außendienst eine tragende Angabe. Nennen Sie die Klasse, und wenn ein eigenes Fahrzeug vorhanden ist, auch das – bei Stellen mit wechselnden Einsatzorten ist es der Unterschied zwischen möglich und nicht möglich.

Länge, Datei, Maschinenlesbarkeit

Eine Seite beim Einstieg, zwei bei mehrjähriger Erfahrung, drei nur bei einer wirklich langen Laufbahn und dann mit gestrafftem Anfang. Weit zurückliegende Stationen dürfen zusammengefasst werden; die Schulzeit schrumpft auf den höchsten Abschluss.

Ein Foto ist üblich, aber keine Pflicht, und ohne sachlichen Grund darf es auch nicht eingefordert werden – das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet eine Schlechterstellung etwa wegen des Alters, der Herkunft oder des Geschlechts. Wer eines beilegt, nimmt ein aktuelles; wer keines beilegt, muss keinen Nachteil fürchten.

Als Datei ein PDF, in dem der Text durchsuchbar bleibt. Viele Häuser lesen Bewerbungen zunächst maschinell ein, und ein eingescanntes Blatt ist für dieses System ein leeres.

Die letzte Durchsicht

Lesen Sie das fertige Dokument einmal so, als hätten Sie es nie gesehen. Lässt sich danach nicht in zwei Sätzen wiedergeben, welches Handwerk hier beherrscht wird und in welche Richtung es weitergehen soll, fehlt etwas – meist nicht Inhalt, sondern Ordnung.

Prüfen Sie zuletzt, ob die Belege aus dem Anschreiben sich hier wiederfinden, ob alle ausdrücklich verlangten Angaben vorhanden sind, und ob Ihr eigener Name und die Firmierungen richtig geschrieben sind. Der letzte Punkt klingt albern und kommt häufiger vor, als man glaubt.

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