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Bewerbung

Stellensuche am neuen Wohnort, bevor man dort wohnt

Eine Suche in einer anderen Stadt braucht einen Zeitplan, den die Suche am Wohnort nicht braucht. Wann sie beginnt, wie breit sie angelegt wird und woran sich messen lässt, ob sie vorankommt.

6 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Eine Stellensuche in der eigenen Stadt läuft nebenher. Man sieht sich um, bewirbt sich gelegentlich, und wenn nichts passt, bleibt alles, wie es ist. Eine Suche in einer anderen Stadt funktioniert so nicht: Sie hat ein Ziel, meist ein Datum und fast immer eine Abhängigkeit – von einer Partnerin, einer Wohnung, einem Schuljahr.

Deshalb braucht sie etwas, das die Suche vor Ort nicht braucht: einen Plan mit Terminen. Dieser Text beschreibt, wie der aussieht.

Der Zeitplan wird rückwärts gerechnet

Beginnen Sie beim Zieldatum – dem Tag, an dem Sie am neuen Ort arbeiten wollen – und rechnen Sie von dort zurück.

Vom Zieldatum ab gehen zuerst die Kündigungsfrist und dann die Verfahrensdauer ab. Die Kündigungsfrist steht in Ihrem Arbeitsvertrag oder ergibt sich aus § 622 BGB; sie ist die eine Größe in dieser Rechnung, die feststeht. Was dabei gilt und welche Fristen sich mit der Betriebszugehörigkeit verlängern, steht in Kündigungsfristen.

Die Verfahrensdauer ist die unbekanntere Größe. Zwischen dem Absenden einer Bewerbung und einer Zusage liegen je nach Branche und Betriebsgröße einige Wochen bis mehrere Monate; öffentliche Arbeitgeber und große Unternehmen mit mehreren Gesprächsrunden brauchen regelmäßig länger als ein Mittelständler, bei dem der Geschäftsführer selbst entscheidet. Bei einer Suche über Entfernung kommt die Terminfindung für Reisetage hinzu.

Rechnen Sie außerdem eine Suchphase ein, bevor die erste Bewerbung überhaupt abgeht: die Zeit, in der Sie den Markt beobachten, bevor Sie sich festlegen. Vier bis sechs Wochen sind dafür keine verlorene Zeit, sondern die Grundlage der Entscheidung – siehe Was ein Ort für den eigenen Beruf hergibt.

Wenn Sie diese drei Blöcke addieren, steht der Tag fest, an dem die Suche beginnen muss. Er liegt in aller Regel früher, als die meisten annehmen.

Ein Ort ist zu wenig

Die häufigste Schwäche einer Fernsuche ist, dass sie sich zu früh auf eine Stadt festlegt. Wer nur in Hannover sucht, hat die Zahl seiner Möglichkeiten auf einen Bruchteil dessen reduziert, was er hätte – und sich zugleich in eine Lage gebracht, in der er das erste Angebot annehmen muss.

Legen Sie deshalb die Suche in zwei Ringen an.

Der innere Ring ist das Zielgebiet: der Ort und alles, was von dort aus in Ihrer akzeptierten Fahrzeit liegt. Dieses Gebiet umfasst fast immer mehr als eine Stadt.

Der äußere Ring sind ein oder zwei Alternativregionen, die denselben Zweck erfüllen würden. Wenn der Grund für den Wechsel „näher an die Familie" heißt, gibt es meist mehrere Orte, die das leisten. Wenn er „raus aus dem teuren Wohnungsmarkt" heißt, gibt es viele. Nur wenn der Grund eine bestimmte Person an einem bestimmten Ort ist, gibt es tatsächlich nur eine Stadt – und dann sollten Sie das wissen und die Suche entsprechend länger ansetzen.

Praktisch heißt das: Verfolgen Sie von Anfang an zwei bis drei Ortsseiten parallel, etwa Berlin neben Leipzig und Dresden, und vergleichen Sie, was dort in Ihrem Berufsfeld tatsächlich liegt.

Die Suche einrichten

Eine Fernsuche lebt davon, dass Sie neue Ausschreibungen früh sehen. Bei stark nachgefragten Stellen entscheidet die erste Woche.

Richten Sie deshalb Suchaufträge ein, statt manuell nachzusehen – nach Ort und Berufsfeld getrennt, nicht in einer einzigen breiten Suche, weil Sie sonst entweder zu viel oder zu wenig bekommen. Nutzen Sie mehrere Bezeichnungen für dieselbe Tätigkeit; Stellentitel sind uneinheitlich, und ein Suchauftrag, der nur einen Begriff kennt, übersieht die Hälfte.

Führen Sie parallel eine eigene Liste der Arbeitgeber, die für Sie in Frage kommen, und sehen Sie dort direkt nach. Ein Teil der Stellen erscheint zuerst oder ausschließlich auf der Seite des Betriebs. Wie Sie diese Liste aufbauen, steht in Arbeitgeber am Ort recherchieren.

Und legen Sie eine einfache Tabelle an: Datum, Arbeitgeber, Stelle, Stand. Bei einer Suche über mehrere Monate und mehrere Städte verliert man sonst den Überblick, und ein Nachfassen zur falschen Zeit ist schlechter als keines.

Die Reisetage

Der teuerste Teil einer Fernsuche sind die Fahrten. Zwei Regeln senken die Kosten deutlich.

Bündeln Sie. Legen Sie Gespräche in dieselbe Woche, notfalls in denselben Tag. Wenn ein Termin feststeht, fragen Sie bei den anderen laufenden Verfahren, ob sich etwas in diesem Zeitraum einrichten lässt. Das wirkt nicht unhöflich, sondern organisiert.

Nutzen Sie den Tag vollständig. Ein Reisetag, an dem Sie nur ein Gespräch führen, ist halb verschenkt. Sehen Sie sich zwei Wohngegenden an, fahren Sie eine mögliche Strecke zur Arbeit, gehen Sie in eine Kita oder an einer Schule vorbei, wenn das für Sie zählt. Diese Beobachtungen sind später schwer nachzuholen.

Ob und in welchem Umfang Reisekosten erstattet werden, klären Sie vor der Buchung – das und alles Weitere zur auswärtigen Bewerbung steht in Bewerbung aus einer anderen Stadt.

Woran Sie merken, dass die Suche nicht läuft

Eine Suche, die nicht vorankommt, fühlt sich lange an wie eine, die eben dauert. Drei Anzeichen sollten Sie ernst nehmen.

Sie finden zu wenig, worauf Sie sich überhaupt bewerben können. Wenn Sie in acht Wochen drei passende Ausschreibungen gesehen haben, ist nicht Ihre Suche das Problem, sondern der Zuschnitt: Radius zu klein, Berufsbezeichnung zu eng, Ort zu dünn besetzt.

Sie bewerben sich und werden nicht eingeladen. Dann liegt es an den Unterlagen oder an der auswärtigen Adresse – zwei Ursachen, die sich unterscheiden lassen, indem Sie dieselben Unterlagen einmal am eigenen Wohnort einsetzen.

Sie werden eingeladen und bekommen Absagen nach dem Gespräch. Das ist der teuerste Fall, weil er Reisetage kostet. Fragen Sie nach dem Grund; bei auswärtigen Bewerbungen ist die Antwort oft, dass Verfügbarkeit und Umzugstermin nicht zum Bedarf passten – und das ist eine Größe, an der Sie arbeiten können.

Kündigen, bevor etwas da ist?

Die Frage stellt sich bei jedem Ortswechsel, und die Antwort fällt fast immer gleich aus: nein, solange es sich vermeiden lässt.

Eine Kündigung ohne neue Stelle verkürzt die Suchzeit nicht, verschlechtert aber die Verhandlungsposition und kann leistungsrechtliche Folgen haben – eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld ist bei eigener Kündigung ohne wichtigen Grund der Regelfall. Das gilt auch dann, wenn der Umzug gute private Gründe hat.

Es gibt Ausnahmen. Wenn der Umzug ohnehin stattfindet, weil die Familie zieht, und die Suche vor Ort erkennbar schneller läuft als aus der Entfernung, kann die Reihenfolge sich umkehren. Rechnen Sie in diesem Fall vorher durch, wie viele Monate Sie ohne Einkommen tragen können, und lassen Sie sich zur Sperrzeit vorab bei der Agentur für Arbeit beraten, statt sich auf eine allgemeine Auskunft zu verlassen.

Die letzten vier Wochen

Wenn die Zusage da ist, beginnt der Teil, den die meisten unterschätzen: Zwischen Vertragsunterschrift und erstem Arbeitstag müssen Wohnung, Umzug und Kündigung der alten Wohnung zusammenpassen.

Verhandeln Sie deshalb das Eintrittsdatum mit etwas Luft, statt den frühestmöglichen Termin zuzusagen. Zwei zusätzliche Wochen kosten den Betrieb wenig und ersparen Ihnen eine Übergangslösung, die teuer wird. In welcher Reihenfolge Miet- und Arbeitsvertrag sinnvoll zusammenkommen, steht in Wohnung und Arbeitsvertrag; was der Wechsel insgesamt kostet, in Umzug für den Job.

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